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Die Flut kommt.

 

Ich stehe vielleicht am Strand und Schaue über das Meer, dann kommt die Flut, langsam fast unmerklich doch unaufhaltsam, ich verliere den festen Boden unter den Füßen, das was mir Standfestigkeit und Sicherheit gegeben hat wird weich, gibt nach, wird mir entzogen und das Wasser steigt. Steigt mir vielleicht bis zum Hals, ich drohe zu versinken.

 

Mächtig, zerstörerisch, verletzend wird die Brandung wenn ich mich ihr entgegen stelle. Wohl mir wenn ich dann weiß, ich kann schwimmen oder der Tragfähigkeit des Wassers Trauen kann.

 

Überlasse ich mich dem Wasser, oder dem der mich auch im Wasser, in den Fluten und Stürmen meines Lebens trägt und hält, so kann etwas Neues entstehen, werde ich vielleicht zu anderen Ufern oder Stränden getrieben und meine Füße finden neuen Halt, neuen Grund, ich kann wieder sicher stehen, Wurzeln schlagen, mich vernetzen und werde mich irgendwann am neuen Ort oder in neuen Lebensumständen auch heimisch und geborgen fühlen. Bis ein mal wieder die Flut kommt.

 

Doch im Gegensatz zum Gezeiten Plan der Natur kommt die Flut oft eher plötzlich in unser Leben und reißt uns den Boden unter den Füßen weg. Aber die Ebbe, wo wir wieder neuen Halt finden, lässt häufig viel länger auf sich warten. Da heißt es geduldig warten, die Augen offen zu halten und zu vertrauen auf den großen Gezeiten Plan Gottes, der sich oft sehr langsam und unmerklich vollzieht. Der Gezeiten Plan Gottes eben, der uns Zeit gibt zum Heilen, zum Wachsen, zum Reifen.

 


Nun haben wir Pfingsten, wir feiern, dass wir durchdrungen sind mit dem Lebensatem Gottes.

 

Denn Pfingsten ist nicht einfach nur ein fröhliches Fest im Frühsommer oder ein verlängertes Wochenende, das sich hervorragend für einen Kurztrip auf die schönste Nordseeinsel Ostfrieslands eignet.

Nein, es kommt der Tröster zu uns, der Heilige Geist, der in uns ist. Gott lässt uns nicht als Weise, haltlos zurück. Er schickt uns seinen ständigen Begleiter, der uns Halt gibt, dass wir getrost und unverzagt unsere Wege gehen können, der mit uns ist, in allem, was wir tun. Dabei ist es gleich, ob wir gerade fröhlich sind oder traurig, denn getrost oder gehalten können wir auch sein, wenn es uns gerade nicht so gut geht, in Krisenzeiten unseres Lebens, denn getrost ist mehr als fröhlich.

 


 

Da haben wir vor einiger Zeit Ostern gefeiert. Natürlich war und ist es tröstlich, dass Christus auferstanden ist, dem Tode die Macht genommen hat und ewiges Leben gebracht hat. Aber in diesem Jahr war für mich an Ostern entscheidend, dass Jesus hindurch gegangen ist, durch Leid, durch Einsamkeit, Verlorenheit, ja durch den Tod. Er kennt also mein Leid und geht mit mir hindurch, durch dieses Tal der Tränen und der Trauer auf den Oster Morgen zu oder mit österlicher Hoffnung vor Augen.

 

 

 

Und nun feiern wir Himmelfahrt, den irdischen Abschied von Jesus. Wie nah kommt das dem Abschiednehmen von einem geliebten Menschen? Doch Jesus lässt uns nicht ohne Hoffnung, er sagt: "Ich gehe hin, Euch die Stätte zu bereiten." Oder an anderer Stelle: "Es sind viele Wohnungen in meines Vaters Hause." Wie tröstlich sind doch diese Bilder in Zeiten der Trauer.

 


 

Ich habe lange nicht geschrieben. Das hat seinen Grund, und nun werde ich etwas persönlicher als sonst. Aber vielleicht hilft auch das dem einen oder der anderen. Ich hatte einen Todesfall in der Familie. Da war mir viele Wochen nicht zum Schreiben zumute und auch jetzt sehe ich manches anders als sonst. Mein Vater starb Ende Februar. Er hat mir die Liebe zum Meer vererbt, vielleicht bin ich wegen seinem Einfluss überhaupt hier gelandet.

 

Wenn man die eigenen Eltern gehen lassen muss, ist das schon ein tiefer Einschnitt. Und obwohl wir in den letzten zwei Jahren rund 400 Km entfernt voneinander gewohnt haben, fehlt auf einmal der Rückhalt und der sichere Boden. Auch hier helfen mir die Bilder vom Meer. Ja, es ist, als liefe ich im weichen Treibsand, das Gehen ist mühsam, ich komme kaum vom Fleck. Ich bin auf der Suche nach festem Boden unter den Füßen, nach Halt, nach Sicherheit und Geborgenheit.

 

Vielleicht wird mir dieser Sandhügel und die Menschen hier ein solcher Ort, ein gutes Stück weit auch mein Glaube und ganz gewiss auch die Verbundenheit mit meinem Vater über den Tod hinaus, ja die Verbundenheit durch das Meer, denn wenn ich so über das Meer schaue, denke ich oft, es ist eigentlich nur der Dunst am Horizont, hinter der Schifffahrtsslinie, der uns von der Ewigkeit trennt.

 


 

Insel-Leben.

 

Sandhügel umgeben und geprägt von Ebbe und Flut. Kommen und Gehen. Im Sommer täglich über 1000 Tagesgäste kommen und gehen. Zu jeder Jahreszeit Menschen mit Gepäck, kommen und gehen.

 

Ich glaube, wenn wir das bewust wahrnehmen steckt darin eine tiefe Weisheit. Das Leben - Kommen und Gehen.

 

Freunde kommen und gehen. Gerade hier auf einer Insel ist das sehr einschneidend, wenn lieb gewonnene Menschen die Insel verlassen , ist das anders als wenn sie auf dem Festland in den Nachbar Ort ziehen, sie verlassen diesen besonderen Lebensraum Insel. Besuche sind nicht mehr ohne Weiteres möglich.

 

Und doch, letztendlich bleibt einem nur, sie ziehen zu lassen, wenn die Zeit reif ist. Aber es lehrt einen auch, die geschenkte Zeit gemeinsam zu genießen, hier auf der Insel.

 

Den ewigen Wechsel zwischen Ebbe und Flut bewusst zu leben heißt aber auch ein Gefühl dafür zu bekommen, es werden andere Menschen kommen, neue Bekanntschaften werden entstehen und wachsen. Vielleicht wird man dadurch gelassener, kann dankbar ziehen lassen und hoffend annehmen, was kommt. Vielleicht!

 


 

Mit dem Geist Gottes als Rückenwind durch den Sommer.

 

 

 

Wir haben Pfingsten gefeiert. Die Ausgießung des heiligen Geistes, ein Fest, das mir immer etwas zu abstrakt und so wenig Handfest erscheint. Wieder helfen mir hier die Naturgewalten dieser Insel: Zu der Nordsee gehört nun einmal der Wind, an Tagen, wo er fehlt, wo es auf der Insel windstill ist, fehlt etwas, wird das Leben hier träge und schwermütig. Es braucht immer etwas Wind, damit mir die Arbeit leicht von der Hand geht, doch bei starkem Gegenwind wird es anstrengend.

 

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, der sich uns entgegen stellt, wie der Gegenwind, sodass wir nicht vom Fleck kommen, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Dieser Geist treibt uns an erfüllt uns mit Leichtigkeit und bringt uns voran, wie der Rückenwind auf dem Fahrrad. Lassen sie sich mit diesem Geist erfüllen, entweder ganz konkret und Handfest durch den Wind dieser Insel oder in Gedanken zuhause.

 


 

Nicht umsonst feiern wir Ostern an der Schwelle vom Winter zum Frühling. Die Natur und die Menschen erwachen zum neuen Leben. In ganz besonderer Weise erlebe ich das in meinem neuen Zuhause auf Langeoog. Die Insel war leer, karg, dunkel, hat ausgeruht den langen Winter über, der Fährverkehr war eingeschränkt und bei Sturm oder Eisgang fuhr auch mal gar kein Schiff. Die Ruhe hat Mensch und Natur gut getan.

 

 

 

Nun erwacht alles wieder von Neuen. Und wir feiern Ostern. Das was wir um uns herum sehen und erleben, lässt sich als Zeichen für Ostern deuten: "Der Tod ist verschlungen in den Sieg.

 


 

 

 

Ein frostiger Gruß von der Insel.

 

 

Aber es muss doch Frühling werden.


Gott spricht:

 

Ich will dem Durstigen geben

 

von der Quelle des lebendigen Wassers

 

 umsonst.

 

 

 

Offenbarung 21,6

 

Dieses Wort vom Wasser steht nun als Jahreslosung über meinem ersten richtigen Jahr auf der Insel, wie schön. Ein Wort vom Wasser, auf einem Sandhügel, der umgeben ist vom Wasser. Überall hört man oder sieht man oder riecht man Wasser. Es ist quasi allgegenwärtig und der Rhythmus der Gezeiten bestimmt hier in ganz anderer Weise den Alltag, als irgendwo auf dem Festland.

 

Doch lebt man eine Weile hier auf der Insel, so wird einem bewusst, das Wasser, was wirklich lebensnotwendig ist, das ist das Wasser, was man nicht sieht, das Wasser der Süßwasserlinse unter der Insel. Aus ihr bezieht die ganze Insel Sommers wie Winters ihr Trinkwasser. Welch ein Kostbarer Schatz ist das, den es mit Sorgfalt zu bewahren gilt.

 

Ist es nicht so ähnlich mit der Quelle des lebendigen Wassers woraus wir umsonst, das heißt ohne Vorleistung trinken dürfen, um den Durst unserer Seele zu stillen? Wir sehen weder die Quelle, noch den, der uns daraus zu trinken anbietet, und doch ist für den der glaubt und auf den HERRN vertraut, dieses Wasser lebensnotwendig. Es erquickt die Seele und gibt immer wieder und täglich neue Kraft für den nächsten Schritt. Wohl dem, der aus dieser Quelle schöpft.

In diesem Sinne ein frohes und gesegnetes neues Jahr.